Ich möchte etwas los werden…

  
 … Lange nichts gebloggt, aber es gibt ein Thema, welches mich in den letzten Wochen sehr bewegt – so wie viele, viele andere Menschen auch. 

Es geht um die aktuelle Flüchtlingssituation. Ich bewege mich sehr viel auf Facebook und gerade dort lese ich in letzter Zeit so viele Beiträge, in denen abfällig über Flüchtlinge geschrieben wird. Es schockiert mich, welches Gedankengut in den Köpfen von so vielen Menschen steckt und das ist das, was MIR Angst macht. 

Es macht mir Angst, wenn Unterkünfte von Menschen die vor Krieg und Tod geflohen sind mit der Hoffnung auf ein besseres Leben für sich und ihre Familien, angezündet werden.

Es macht mir Angst wenn Kinder von ausländischen Bürgern in der Berliner S-Bahn angepinkelt werden. 

Es macht mir Angst, wenn ich lese, dass Mitbürger vor Flüchtlingsunterkünften auf und ab wandern, nur um die Menschen dort zu beleidigen, anzuspucken und ihnen verdeutlichen wollen, dass sie weniger wert wären, als sie selbst.

Es macht mir Angst, wenn ich lese, mit welch komischen Argumenten andere Menschen, die Taten rechtfertigen und dafür Beifall erhalten.

Es macht mir Angst, dass es Menschen in diesem Land gibt, die applaudieren, wenn wieder ein Schlepperschiff untergegangen und zig Leute gestorben sind. Und es macht mich traurig und wütend.

Ich bin in Berlin Marzahn groß geworden. Damals hatten wir echte Nazis – Skinheads – als Nachbarn. Mein Zimmer und ihre Wohnung waren getrennt durch genau eine Wand. Ich habe gehört, was sie für Musik hören, wie sie sich anschreien und dass mit ziemlicher Regelmäßigkeit die Polizei die Wohnung gestürmt hat. Ich habe, als ich eines morgens zur Schule losgehen wollte – ich war etwa 12 -, mit angesehen wie einer meiner Nachbarn seine Freundin im Treppenhaus zusammen geschlagen hat (das einzige Mal in meinem Leben, dass ich mir vor Angst in die Hosen gepinkelt habe übrigens). Ich habe meinen Bruder gesehen, nachdem er von Nazis zusammen geschlagen wurde – ich habe die Abdrücke der Springerstiefel auf seiner Stirn gesehen. Ein bisschen stärker zugetreten und es hätte ihn sein Leben kosten oder aber ihn für immer zu einem Pflegefall machen können. Ich habe also durchaus schon mal Angst vor Menschen gehabt – aber niemals in meinem Leben vor Ausländern… Und ich lebe hier in Berlin sehr nah an der Grenze zum Wedding, ich habe also wirklich viel Kontakt mit “Ausländern”.

Ich möchte niemanden beschimpfen, das ist nicht meine Art. Ich möchte die Leute aber zum nachdenken anregen, zum weiterdenken… Und so lasse ich mich auch im www gerne mal auf die eine oder andere Diskussion ein, die dann meistens mit Beschimpfungen oder aber mit der Meinung, ich sei realitätsfern enden. 

Nein, das bin ich nicht. Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass die aktuelle keine leichte Situation für Deutschland ist. Es ist ein hartes Stück Arbeit, das wir da zu leisten haben. Aber es ist machbar, wenn wir nicht gegeneinander kämpfen, sondern miteinander. Es mag sein, dass man mit der Politik nicht einverstanden ist, aber was können diese Flüchtlinge dafür? Sie sind doch nur die Opfer. Was veranlasst jemanden dazu auf wildfremde Menschen zu schimpfen, die einem persönlich rein gar nix getan haben? Wie kann es sein, dass man glaubt, man kenne all diese Menschen, wenn man sich noch niemals mit einem Menschen unterhalten hat, der gerade vor dem Krieg geflohen ist. Wie kann man so scheinheilig sein, dass man glaubt, dass man in deren Situation nicht genau SO handeln würde – für sich und für seine Familie? Würde nicht jeder von uns den sichersten Ort wählen? Wie kann es sein, dass man alle über einen Kamm schert, wenn ein Flüchtling Negativschlagzeilen macht? Ich habe Schlimmes mit deutschen Menschen erlebt -soll ich jetzt Angst vor Deutschen haben? Sind die alle gleich?

Ein bisschen mehr Offenheit – das wünsche ich mir gerade sehr.

   
  
#bloggerfuerfluechtlinge #refugeeswelcome

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